WASHINGTON – Eine neue Untersuchung des „Center for a Humane Economy“ hat ergeben, dass die kommerzielle Kängurufleisch-Industrie in Australien wiederholt Fleisch in Länder auf der ganzen Welt exportiert hat, das die eigenen australischen Lebensmittelsicherheitsprüfungen nicht bestanden hat – dies betrifft sowohl Fleisch für den menschlichen Verzehr als auch für Tierfutter.
Regierungsunterlagen, die im Rahmen des australischen Informationsfreiheitsgesetzes (Freedom of Information Act) zugänglich gemacht wurden, belegen, dass im Jahr 2025 Proben aus einem für den Export in die EU zugelassenen Betrieb eine Belastung von bis zu 340.000 koloniebildenden Einheiten pro Quadratzentimeter aufwiesen. Dies ist das Zehnfache des von der Europäischen Union festgelegten Grenzwerts, ab dem eine bakterielle Belastung als „inakzeptabel“ gilt. Es wurden keinerlei Korrekturmaßnahmen ergriffen; das Fleisch wurde dennoch für den Export freigegeben. Fleisch, das bei einer erneuten Prüfung durchfiel, wurde nicht vernichtet. Stattdessen wurde es in eine niedrigere Kategorie eingestuft und auf dem australischen Binnenmarkt verkauft – unter anderem als Zutat für Tierfutter.
„Die australische Regierung subventioniert den Handel mit Kängurufleisch. Unser Bericht deckt auf, dass dabei Lebensmittelsicherheitsstandards völlig ignoriert werden, was Menschen und Haustiere gefährdet“, erklärte Wayne Pacelle, Präsident des „Center for a Humane Economy“ und von „Animal Wellness Action“. „Kein Land sollte Fleisch akzeptieren, das die Sicherheitsgrenzwerte der Europäischen Union um das Zehnfache überschreitet.“
Die Untersuchung belegt zudem erstmals eine geschäftliche Verbindung zwischen der Kängurufleisch-Industrie und dem australischen Windhundrennsport. Da die internationale Nachfrage nach Kängurufellen und -fleisch eingebrochen ist, dient billiges Kängurufleisch nun in großen Mengen als Futter für Renn-Windhunde. Damit sind zwei Branchen miteinander verknüpft, die weithin als grausam gelten. Der Bericht identifiziert Ray Borda – den Leiter von Australiens größtem Exporteur für Kängurufleisch, der zudem seit Jahrzehnten als Besitzer und Züchter von Windhunden aktiv ist – als die zentrale Verbindungsperson zwischen diesen beiden Wirtschaftszweigen.
„Es überrascht nicht, dass sich eine fragwürdige Allianz zwischen Känguru-Jägern und verzweifelten Betreibern von Windhundrennen gebildet hat, die nach einer günstigen Futterquelle für ihre Hunde suchen“, sagte Christine Dorchak, Präsidentin von „GREY2K USA Worldwide“. „Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, wie die Windhundrennindustrie Standards umgeht und Gewinne über das Tierwohl stellt. Es ist zudem ein weiterer Grund, warum diese grausame Industrie ein Ende finden muss.“
Wichtige Erkenntnisse
Das Volumen der Exporte von Kängurufleisch ist seit dem Höchststand Anfang der 2000er Jahre um 86 % zurückgegangen. Die Preise für Känguruhäute sind um 98 % eingebrochen – von 18,50 $ pro Haut im Jahr 2010 auf heute weniger als 0,25 $ –, da große Sportartikelhersteller wie Adidas, Nike, Puma, New Balance und andere globale Marken den Bezug von Känguruhäuten eingestellt haben.
Schätzungsweise 50 % der Kängurukadaver sind mit Salmonellen belastet. Zudem verwendet die Industrie Bleimunition, die beim Aufprall in Fragmente zerfällt und nicht aus dem Fleisch entfernt werden kann, das in den Handel gelangt. Die Rückstände dieser Bleimunition – schätzungsweise rund 1,4 Tonnen – verteilen sich in der australischen Wildnis und führen unbeabsichtigt zur Vergiftung zahlreicher anderer Wildtiere.
Bis zu 40 % der Kängurus werden nicht, wie vorgeschrieben, durch einen gezielten Schuss in den Kopf getötet. Dies führt dazu, dass verletzte Tiere einen langsamen und qualvollen Tod erleiden. Jungtiere, die noch von ihren Müttern abhängig sind, werden durch stumpfe Gewalteinwirkung oder Enthauptung getötet – oder sie bleiben nach dem Abschuss ihrer Mutter zurück und verhungern.
Allein auf Belgien entfällt mehr als die Hälfte der Kängurufleisch-Importe der Europäischen Union sowie über 82 % des Exportmarktes für Tierfutter. Die europäische Nachfrage ist somit der entscheidende Faktor, der diese Industrie am Leben erhält.
Die von der Industrie selbst angeführte wirtschaftliche Bedeutung – Branchenvertreter sprechen von einem Wert zwischen 150 und 200 Millionen Dollar – steht im Widerspruch zu Daten der australischen Regierung. Diese beziffern den Gesamtwert der Fleischexporte für das Jahr 2025 auf lediglich 10,9 Millionen Australische Dollar (AUD).
„Wir haben schon immer davor gewarnt, dass die Schlachtung unserer nationalen Symbole das Potenzial für die nächste Pandemie birgt. Nun ist erwiesen, dass diese verabscheuungswürdige Industrie nicht nur Wildtieren schadet, sondern auch Menschen und deren geliebte Haustiere gefährdet“, erklärt Georgie Purcell, Abgeordnete der Animal Justice Party im australischen Bundesstaat Victoria und langjährige Aktivistin für den Schutz von Wildtieren. „Länder, die weiterhin Kängurufleisch importieren, haben keine andere Wahl. Sie müssen ihre Vereinbarungen mit der australischen Regierung aufgrund deren Versagens aufkündigen. Alles andere gefährdet ihre eigenen Bürger.“
Der Bericht fordert die US-amerikanische Lebensmittelbehörde FDA sowie die entsprechenden Aufsichtsbehörden in der Europäischen Union und in Kanada dazu auf, Kängurufleisch – ob für den menschlichen Verzehr oder als Zutat in Tiernahrung – als nicht verkehrsfähig einzustufen. Er appelliert an Belgien, den größten Einzelabnehmer der Branche, die Importe zu beenden, und an Vietnam, eine kürzlich getroffene Handelsvereinbarung, die den Import von Kängurufleisch erlaubt, rückgängig zu machen. Zudem fordert der Bericht große Supermarktketten und den Tiernahrungshandel dazu auf, Kängurufleisch sowie entsprechende Tiernahrungsprodukte freiwillig aus dem Sortiment zu nehmen. Darüber hinaus wird Australien aufgefordert, für im Inland verkauftes Kängurufleisch Warnhinweise vorzuschreiben, die auf dokumentierte Kontaminationsrisiken hinweisen.
„Die US-amerikanische FDA sollte Kängurufleisch von in freier Wildbahn erlegten Tieren als ungeeignet für den Verzehr durch Menschen oder Haustiere einstufen – und andere Nationen, von Belgien bis Vietnam, sollten diesem Beispiel folgen“, so Pacelle. „Dies ist eine Form des Handels mit Wildfleisch (‚Bushmeat‘), die weltweit gegen sämtliche Normen der Lebensmittelsicherheit verstößt.“
Der vollständige Bericht mit dem Titel „Australia’s Global Bushmeat Trade: A Report on the Commercial Kangaroo Meat Industry, Economics, Food Safety, and Animal Welfare Failures“ (Australiens globaler Handel mit Wildfleisch: Ein Bericht über die kommerzielle Kängurufleischindustrie, wirtschaftliche Aspekte, Lebensmittelsicherheit und Defizite beim Tierschutz) wurde von Svetlana Feigin, Ph.D., Jennifer Skiff, Tina Lawrence (B.Juris., LL.B.), Jim Keen (D.V.M., Ph.D.), Thomas Pool (D.V.M., M.P.H.), Kevin Chambers und Peter Hylands verfasst. Er ist hier abrufbar.
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